Athen und Krawall

seit 5 tagen dauern nun schon aufstände und proteste.

"Wandere aus oder wehre dich", sagt die Mathematik-Studentin Angelina Stalimerou, "das sind die Alternativen meiner Generation." Die 19-Jährige beschreibt im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE ein marodes Bildungssystem, gegen das es aufzubegehren gelte. Über neun Jahre ließen die Lehrer ihre Schüler generell unbehelligt, Leistungsdruck sei als neoliberal verpönt. Doch die Abiturprüfungen gerieten dann unvermittelt zu einer gnadenlosen Weichenstellung.

So entschieden die Resultate der Abschlussprüfungen darüber, welche Universität man werde besuchen können: je besser das Abitur, desto besser die Hochschule. Das Problem sei nur, dass man sich ausschließlich mit teurem Nachhilfeunterricht, dem sogenannten "Frondistirio", fit fürs Abitur machen könne. "In den Schulbüchern kommen die Prüfungsstoffe noch nicht einmal vor", sagt Angelina. 300 Euro monatlich hätten ihre Eltern - ihr Vater sei Konzertpianist und ihre Mutter Hausfrau - daher für den Zusatzunterricht aufbringen müssen.

Jüngstes Beispiel ist der Rücktritt des Staatsministers Theodoros Roussopoulos. Zuvor war bekanntgeworden, dass ein Kloster der autonomen Mönchsrepublik Athos auf der Halbinsel Chalkidiki in betrügerische Grundstücksgeschäfte verstrickt war. Roussopoulos soll Kontakte zum Abt des Klosters gepflegt haben. Wegen anderer Skandale hatten bereits Sozialminister Vassilios Magginas und Schifffahrtsminister Georgios Voulgarakis den Hut nehmen müssen. Ein enger Freund von Ministerpräsident Kostas Karamanlis versuchte, sich das Leben zu nehmen, nachdem er mit einem Sexvideo erpresst worden war. "Sodom und Gomorrha", titelte eine linksliberale Athener Zeitung.

 

(c) Spiegel online.

 

11.12.08 18:35

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